Viele Policen laufen jahrelang unverändert weiter. Dabei entstehen zwei gegenläufige Probleme: doppelte Deckungen auf der einen, echte Lücken auf der anderen Seite.
Versicherungen sind Fixkosten – und Fixkosten haben die unangenehme Eigenschaft, unbemerkt weiterzulaufen. Wer einmal im Jahr eine Stunde investiert, findet in den meisten Haushalten beides: Posten, die zu viel kosten, und Deckungen, die fehlen.
Am häufigsten zu viel bezahlt wird bei der Krankenkasse und beim Auto. Bei der Grundversicherung sind die Leistungen gesetzlich identisch – unterschiedlich sind nur Prämie, Franchise und Modell. Wer selten zum Arzt geht, aber eine tiefe Franchise hält, verschenkt jedes Jahr Geld; wer die freie Arztwahl bezahlt, sie aber faktisch nie nutzt, ebenfalls. Beim Auto zahlen viele weiter Vollkasko, obwohl der Restwert des Fahrzeugs die Prämie längst nicht mehr rechtfertigt – ab etwa fünf Jahren lohnt sich der Vergleich mit einer Teilkasko.
Doppelt versichert ist häufig der Reiseschutz. Manche Kreditkarten enthalten bereits Annullations- und Assistanceleistungen, die obligatorische Krankenversicherung deckt Notfälle im Ausland begrenzt – und trotzdem läuft parallel eine Jahrespolice. Auch beim Rechtsschutz gibt es Überschneidungen, etwa wenn ein Berufsverband bereits Rechtsschutz bietet.
Die häufigsten echten Lücken liegen woanders. Erstens bei der Deckungssumme der Privathaftpflicht: Ältere Policen liegen oft deutlich unter dem heute üblichen Niveau von rund fünf Millionen Franken, und Personenschäden sind der teuerste Schadentyp überhaupt. Zweitens beim Hausrat: Ist die Versicherungssumme zu tief, kürzt die Versicherung im Schadenfall anteilig – auch bei kleinen Schäden. Nach einem Umzug, Familienzuwachs oder grösseren Anschaffungen stimmt die Summe oft nicht mehr. Drittens bei der Erwerbsunfähigkeit: Die meisten Fälle entstehen durch Krankheit, und genau dort ist die Deckung aus erster und zweiter Säule am dünnsten.
Ein praktischer Ablauf für den jährlichen Check: alle wiederkehrenden Belastungen auflisten, jede Police auf Deckungssumme, Selbstbehalt und Ausschlüsse prüfen, Überschneidungen streichen und die frei gewordenen Mittel dorthin lenken, wo die Lücke real ist. Wichtig dabei: Zusatzversicherungen nie kündigen, bevor die neue Deckung definitiv zugesagt ist – anders als bei der Grundversicherung dürfen Versicherer Anträge ablehnen.
Der Effekt ist grösser, als er wirkt. Einmal optimierte Fixkosten wirken jeden Monat weiter, ohne täglichen Verzicht – und 100 Franken weniger pro Monat sind über die Jahre und konsequent angelegt schnell ein fünfstelliger Betrag.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Stand 2026.