Presse · Fokus Future of Finance · April 2026

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt

Interview · Nicolas Baeriswyl, Geschäftsführer und Inhaber

Interview

Die Pensionierung gehört zu den grössten Einschnitten im Leben. Wer zu spät plant, verliert Spielraum und riskiert Fehlentscheide. Umso wichtiger ist eine strukturierte Vorbereitung, die Zusammenhänge sichtbar macht und Optionen klar bewertet. Über typische Irrtümer und entscheidende Weichenstellungen spricht der unabhängige Finanz- und Vorsorgeberater Nicolas Baeriswyl.

Erschienen in: Fokus Future of Finance, Eine Publikation von Smart Media, Beilage im Tages-Anzeiger, April 2026 · Brandreport · Seite 15

«Es geht nicht darum, schnell eine Lösung zu verkaufen, sondern Transparenz zu schaffen.»Nicolas Baeriswyl

Herr Baeriswyl, viele Menschen schieben das Thema Pensionierung lange vor sich her. Worin liegt das zentrale Risiko?

Weil die Pensionierung für viele Menschen eine der grössten finanziellen und persönlichen Veränderungen im Leben ist. Trotzdem wird sie oft erst kurz vor dem Rücktritt konkret thematisiert. Dann ist der Handlungsspielraum meist deutlich kleiner. Wer früh plant, kann Steuern optimieren, Einkommenslücken erkennen, Vorsorgegelder gezielt einsetzen und auch emotional besser in den neuen Lebensabschnitt starten. Meine Erfahrung aus fast 20 Jahren Beratung zeigt: Erst wenn man weiss, was auf einen zukommt, kann man der Pensionierung mit Vertrauen entgegensehen, unabhängig davon, wie die Zahlen letztlich aussehen.

Was ist aus Ihrer Sicht der grösste Irrtum rund um die Pensionierungsplanung?

Viele glauben, es gehe nur darum zu wissen, wie hoch AHV- und Pensionskassenrenten ausfallen oder ob man Rente oder Kapital bezieht. Das ist zu kurz gedacht. Eine gute Pensionierungsplanung beantwortet viel mehr Fragen: Reicht mein Vermögen langfristig, wann muss welche Liquidität vorhanden sein (zum Beispiel Amortisation), was passiert bei einem vorzeitigen Rücktritt (etwa AHV-NE-Beiträge), ist Kapital oder Rente sinnvoll, wie entwickeln sich Steuern und Liquidität? Wann übergebe ich meine Liegenschaft? Erst das Gesamtbild zeigt, was wirklich möglich ist und worauf man lieber verzichten sollte.

Ab welchem Zeitpunkt wird eine strukturierte Pensionierungsplanung aus Ihrer Erfahrung entscheidend?

Idealerweise zehn bis zwanzig Jahre vor der Pensionierung. Spätestens aber ab 55 sollte man das Thema strukturiert angehen. Gerade in dieser Phase lassen sich wichtige Weichen noch stellen. Einkäufe in die Pensionskasse, Bezug der Vorsorgegelder, bei Hypotheken oder bei der Frage, ob ein gleitender Übergang in die Pension sinnvoll ist. Wenn jemand weiss, dass man beispielsweise CHF 50 000 ansparen muss, um sein Ziel zu erreichen, ist dies über zehn Jahre wesentlich realistischer umzusetzen als nur in zwei Jahren. Grundsätzlich wehre ich mich aber dagegen, fixe Altersgrenzen zu setzen. Vorsorge ist ein Thema, das schon junge Erwachsene beschäftigen darf und soll!

Welche Aspekte werden in der Praxis am häufigsten unterschätzt?

Vor allem die Steuerfolgen, die Einkommensveränderung nach der Erwerbsphase und die langfristige Tragbarkeit des gewohnten Lebensstandards. Auch Teilzeitpensen, die gerade bei Frauen häufig vorkommen, haben oft einen erheblichen Einfluss auf die Möglichkeiten, die sich vor der Pension anbieten. Thema Pensionskasseneinkäufe, als Beispiel. Auch unterschätzt wird, dass Fehlentscheide oft kaum mehr korrigierbar sind. Wer sich beispielsweise für einen Kapitalbezug entscheidet, trifft einen definitiven Entscheid. Deshalb sollte man nicht nur Produkte anschauen, sondern Szenarien sauber vergleichen und erst dann Entscheidungen treffen. Wenn die Szenarien sauber gerechnet sind, entscheidet am Ende auch der Bauch mit. Und das ist durchaus legitim. Letztlich lässt sich nicht alles rein mathematisch oder finanztechnisch beantworten. Kapital verwalten zu müssen, ist nicht für alle!

Wo beobachten Sie besonders oft Fehlentscheide mit langfristigen Folgen?

Viele Menschen treffen unumkehrbare Entscheide, ohne die Auswirkungen wirklich fundiert durchgerechnet zu haben. Das betrifft insbesondere Kapitalbezüge, Frühpensionierungen oder grössere Umstrukturierungen bei Vermögen und Immobilien. Häufig verlassen sie sich auf Produkte oder auf Annahmen aus einer Momentaufnahme oder gar auf Rat aus dem Umfeld. Es gibt keine allgemeingültige Regel. Jede Situation ist anders und muss separat betrachtet werden. Oft liegt das Problem allerdings nicht nur bei der Kundschaft, sondern in einer ungenügenden Beratung respektive produktgetriebenen Beratung. Trotzdem gilt: Unwissenheit schützt nicht vor Schaden.

Der Vorsorgeausweis gilt für viele als zentrale Orientierung. Weshalb reicht er allein nicht aus?

Weil der Vorsorgeausweis nur ein Teil des Bildes zeigt. Die eigentliche Herausforderung beginnt dort, wo verschiedene Bereiche zusammenspielen, also AHV, Pensionskasse, Säule 3a, Vermögen, Steuern und Lebenshaltungskosten. Die Kunst liegt darin, daraus eine tragfähige Strategie zu entwickeln, welche mit den Erwartungen des Kunden übereinstimmt.

Was unterscheidet Ihre Beratung konkret von klassischen, produktgetriebenen Ansätzen?

Ich lege grossen Wert auf eine unabhängige, verständliche Gesamtanalyse. Es geht nicht darum, schnell eine Lösung zu verkaufen, sondern Transparenz zu schaffen. Meine Kundinnen und Kunden sollen erkennen, wo sie stehen, welche Optionen bestehen und welche Konsequenzen einzelne Entscheide haben. Gerade vor der Pensionierung braucht es keine Verkaufsrhetorik, sondern Klarheit, Erfahrung und saubere Planung. Dabei verbinde ich Zahlen mit den persönlichen Zielen der Kundschaft. Entscheidend ist, gut zuzuhören. Mein Ziel ist, dass Menschen ihrer Pensionierung mit mehr Ruhe und Sicherheit entgegensehen. Wer seine Zahlen kennt und einen klaren Plan hat, trifft bessere Entscheidungen.

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt – Fokus Future of Finance
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Presse · Fokus Future of Finance · avril 2026

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt

Entretien · Nicolas Baeriswyl, Geschäftsführer und Inhaber

Entretien

La retraite est l’un des plus grands tournants de la vie. Le conseiller indépendant Nicolas Baeriswyl parle des erreurs typiques et des décisions déterminantes. L’article a paru en allemand.

Paru dans: Fokus Future of Finance, Eine Publikation von Smart Media, Beilage im Tages-Anzeiger, avril 2026 · Brandreport · Seite 15

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt – Fokus Future of Finance
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Press · Fokus Future of Finance · April 2026

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt

Interview · Nicolas Baeriswyl, Geschäftsführer und Inhaber

Interview

Retirement is one of life’s biggest turning points. Independent adviser Nicolas Baeriswyl talks about typical mistakes and the decisions that matter. The article appeared in German.

Published in: Fokus Future of Finance, Eine Publikation von Smart Media, Beilage im Tages-Anzeiger, April 2026 · Brandreport · Seite 15

Pensionierung ist kein Ereignis, sondern ein Projekt – Fokus Future of Finance
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